„Die Kunst der Verführung“ – Wie wir von unseren Lieblingshaustieren lernen können, erotische Missverständnisse zwischen Mann und Frau zu vermeiden

Zugegeben: Ein etwas gewagter Titel zum Ende dieses Monats, und in der Tat, ich hatte Schwierigkeiten mich zwischen zwei Themen zu entscheiden, die mich zur Zeit beschäftigen. Die Frage inwieweit sich sexuelle Erregung von erotischem Lustempfinden unterscheidet, werde ich vertagen, noch weiter durchdenken und mit Freunden und Kollegen diskutieren, so dass Sie in einem der folgenden Blogs an meinen – bis dahin hoffentlich fortgeschrittenen – Erkenntnissen teilhaben können.

Heute soll es um das Thema „erotische Verführung“ gehen. Und was Haustiere damit zu tun haben können, verrate ich Ihnen später.

Wie Sie sich wahrscheinlich vorstellen können, geht es in der Sexualberatung oder Sexualtherapie häufig darum, wie Frau und Mann häufiger lustvolleneren Sex genießen können. Viele Paare sind mit der Qualität ihres Liebesspiels durchaus zufrieden, wenn es denn dazu kommt! Denn vor dem Sex braucht es den Wunsch nach und die Lust auf erotische Begegnung.
Doch wie zeige ich als Partner oder Partnerin mein Wünschen, ohne aufdringlich zu sein? Wie verführe ich charmant und mit Erfolg? Und wie gehe ich mit Abwehr und Rückzug um?

Glauben Sie mir, hier können sich Abgründe auftun und eine zart beginnende erotische Anbahnung kann in nullkommanichts unwiederbringlich zerstört werden. Die Phase der Verführung ist die Phase der Missverständnisse zwischen Mann und Frau, hier beginnen erotische Probleme und hier enden sie. Deswegen frage die Paare in der Praxis häufig nach ihren Verführungskompetenzen. Meistens auf diese Art: „Was tun Sie, um Ihren Partner oder Ihre Partnerin für ein gemeinsames erotisches Projekt zu gewinnen? Wie laden Sie ihn oder sie dazu ein? Und wie erfolgreich sind Sie damit?“

Manchmal folgt ein unsicheres oder fragendes Lächeln, verbunden mit der Feststellung: „Eigentlich verführen wir uns nicht.“ Oft sehe ich aber auch einen frustrierten Gesichtsausdruck, meist bei Männen, zunehmend aber auch bei Frauen: „Verführung!? Fehlanzeige! Ich kann machen, was ich will. Es hat keinen Sinn. Sie oder Er will mich nicht. Ich habe keine Ahnung, was ich noch tun soll oder kann. Ich kann ihn oder Sie nicht lesen, und wenn ich frage, bekomme ich keine Antwort.“ Vielleicht  kommt Ihnen das bekannt vor, egal, ob Sie eine Leserin oder ein Leser sind.

Kürzlich sprach ich mit einem Paar in der Paartherapie darüber, das ebenfalls die oben beschriebene Problematik beklagte. Sie sagte: „Ich versuche ihm schon zu zeigen, dass ich eventuell Lust auf ihn hätte, aber er bemerkt es gar nicht.“ Er fragt zweifelnd nach: „Wann soll das denn gewesen sein?“ Sie beschreibt einen der letzten Abende, und es wird deutlich, dass sie sehr subtil gelockt hat, und er es gar nicht bemerkt hat.
Andersherum spürt die Frau sehr deutlich, wenn er Lust hat. Für sie zu offensichtlich; Sie fühlt sich bedrängt und zieht sich zurück. Das Ende der Verführung, bevor diese überhaupt begonnen hat.

Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Ein Mann betritt die Küche, seine Partnerin kocht gerade die Tomatensoße für das gemeinsame Nudelgericht. Er betrachtet sie kurz, sieht ihre herrlichen Kurven und freut sich über sein Prachtweib. Er tritt hinter sie, verweilt mit seinen Händen kurz auf ihrem Po, um dann auf direktem Wege, ihre Brüste zu umfassen. Was glauben Sie, wie die Geschichte in den meisten Fällen enden wird? Richtig! Genau jetzt! Die meisten Frauen reagieren auf diese männlich ausgedrückte erotische Wertschätzung nicht mit hingebungsvoller erotischer Öffnung, sondern mit emotionalem Verschließen und Abwehr.
Es geht ihr zu schnell, und es ist ihr zu direkt, es sei denn, sie hat sich beim Kochen schon erotischen Tagträumen hingegeben. In diesem Falle ist das Paar aber wahrscheinlich noch nicht lange ein Paar, und es springen bestimmt auch keine eigenen Kinder in der gemeinsamen Wohnung herum.

Sie  sehen also, Verführung kann ein schwieriges Projekt sein, und der Alltag in der Familie ist eine Riesenherausforderung. Dennoch lohnt es sich für beide Partner, dieser Herausforderung zu begegnen, und zu lernen, eigentlich Unvereinbares miteinander zu vereinen.

Und jetzt kommen unsere Lieblingshaustiere ins Spiel: Laut Statistik (statista.com) leben in Deutschland 11,8 Mio. Katzen mit Menschen in einem Haushalt. Dazu kommen noch 6,8 Mio Hunde. Wir sind insgesamt gut 80 Mio. Menschen, und wenn man bedenkt, dass viele zumindest am Anfang ihres Lebens im Familienverbund wohnen, dann kann man wohl davon ausgehen, dass in den meisten Haushalten auch ein tierisches Familenmitglied lebt.

Während ich diese Zeilen schreibe, ruht mein Kater Speedie neben mir, sanft schnurrend, seine Energie aufs Wertvollste einteilend, ein schönes Bild. Bis vor einer Woche lebte auch noch ein zweiter Kater in unserer Familie, doch leider musste der gemütlichere von beiden – ein echter Buddha – eingeschläfert werden. Sehr, sehr traurig, doch darum soll es hier jetzt nicht gehen.

Zurück zur erotischen Verführungssprache: Ich habe die Tierstatistik angeführt, um zu zeigen, dass den meisten Menschen die Sprache von Hunden und Katzen geläufig sein müsste. Wahrscheinlich haben Sie schon Kontakt mit beiden Tieren gehabt, und natürlich haben Sie auch ganz individuelle Vorlieben, ob Sie lieber Katzen oder Hunde mögen, und möglicherweise hat dies mehr mit dem eigenen erotischen Erleben zu tun, als Sie annehmen mögen. Ich gebe zu, das ist eine gewagte These. Mal schauen, wie Sie am Ende dieses Beitrages darüber denken.

Eine Katze spricht die Sprache einer Frau – mir ist natürlich bewusst, dass der Einzelfall immer wesentlich differenzierter ist, aber ich möchte dies Bild benutzen, weil es verstehen helfen kann.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie wollten eine Katze für sich gewinnen. Einige von ihnen werden jetzt sagen; „Katzen sind unberechenbare Genossen, die man nicht durchschauen kann, geschweige denn erziehen.“ Da ist etwas Wahres dran, zumindest, was das Erziehen und die Unberechenbarkeit anbelangt, aber die Sprache einer Katze zu verstehen, ist einfach. Und ja, allen Vorurteilen zum Trotz: Katzen sind keine Einzelgänger, sondern suchen den Kontakt.

Wenn Sie eine Katze locken wollen, dann müssen Sie sich vorsichtig nähern. Am besten hocken Sie sich hin, machen ein paar lockende Geräusche, und tun ansonsten gar nichts. Die Katze wird sie neugierig anschauen und näher kommen. Sie bleiben hocken und warten. Sobald die Katze mehr Vertrauen gefasst hat, wird sie noch näher kommen und Sie mit ihrer Seite berühren, dann wird Sie sich wieder etwas entfernen, um dann um Sie herumzuschleichen, wird wieder mit ihrer Seite um Ihre Beine streifen, vielleicht beginnt sie zu schnurren. Sie könnten Ihre Hand ausstrecken und sie daran schnuppern lassen. Und wenn Sie sich bis dahin nicht ruckartig bewegt haben, wird sie sich bald streicheln lassen. Wenn Sie Ihnen vertraut, dann wird sie sich auch am Bauch berühren und kraulen lassen und Sie mit einem Schnurren belohnen. Und wenn Sie sie dauerhaft gut behandeln, wird Sie Ihre Nähe suchen und Sie mit Ihrem Kopf begrüßen und markieren: „Du bist Meiner!“

Liebe  Leser, wir Frauen sind wie Katzen zu verstehen. Durch unsere zyklisch bedingte Natur scheinen wir unberechenbar, passen in keine Exelliste und verstehen uns manchmal selbst nicht, aber wir sind lesbar. Das Geheimnis unserer Sprache heißt Raum Lassen und Raum Geben, Interesse spürbar zeigen und ganz wichtig – Langsamkeit. Eine Frau braucht viel Vertrauen, um sich seelisch und körperlich zu öffnen. Überfallen Sie sie nicht, deuten Sie im Anfangsstadium der Verführung zarte Berührungen an, und ziehen Sie sich wieder zurück. Ein kleines bisschen schöne „Folter“.
Glauben Sie mir, Raum geben führt zu Nähe. Und wenn eine Frau sich entschlossen hat, Ihnen zu vertrauen und körperliche Nähe zuzulassen, dann dürfen Sie sie mit ansteigender Lust auch kräftiger und weniger subtil berühren, alles eine Frage des richtigen Timings.

Mein verstorbener Kater liebte es, berührt zu werden wie ein Hund, er lehnte sich dann mit seinem vollen Gewicht gegen die streichelnde Hand oder warf sich auf den Rücken. Alles eine Frage des Vertrauens und des richtigen Timings.

Nun kommen wir zu des Deutschen zweitliebsten Haustier, den Hund. Stellen Sie sich vor, Sie begegnen einem Hund. Normalerweise begrüßt er sie schwanzwedelnd und schnuppernd. Auch hier fassen Sie nicht gleich hin, Sie wissen ja nicht, ob er beißt, aber die meisten beißen nicht, manchmal macht die Größe oder das Aussehen etwas Angst. Normalerweise sprechen Sie mit ihm, bevor Sie ihn berühren, halten Ihre Hand hin. Und dann dürfen Sie ihn streicheln. Wenn Sie das gut machen, wird er sich auf den Rücken werfen, mit den Beinen strampeln und sich auf dem Boden hin und her wälzen. Sein gesamter Körper scheint zu sagen: „Mehr, noch ein bisschen fester.“ Und wenn Sie es mit einem noch jungen , unerzogenen Hund zu tun haben, kann es sein, dass er an Ihnen hochspringt und seine Schnautze wenig subtil in Ihrem Schritt versenkt.
Ein Hund bemüht sich aktiv und direkt um Kontakt, meist müssen Sie nicht lange werben, und es macht ihm in der Regel nichts aus, wenn Sie ihn zeitnah dort berühren, wo er es am liebsten hat.

Liebe  Frauen, viele Männer mögen den direkten und offenen Weg in der Erotik. Ihre Bereitschaft, sich auf ihn einzulassen, und offen auf ihn zu reagieren, freut ihn. Sofern Sie sich gut kennen, brauchen Sie keine Angst haben, dass Sie ihn zu früh an seinen Lieblingskörperteilen berühren. Wozu Zeit mit Körperstellen verschwenden, an denen es sich nur halb so gut anfühlt. Er wird Ihnen schon sagen oder zeigen, wenn es es ihm nicht gefällt.

Nun  werden Sie einwerfen, dass es auch dominante Katzen beziehungsweise zurückhaltende Hunde gibt. Gott sei Dank haben Sie Recht. Das macht das Beobachten der eigenen Vorlieben und das Leben miteinander in einer Partnerschaft ja erst  so richtig spannend.
Dennoch: Vielleicht kann ich Sie dazu anregen, diese Bilder bei der nächsten Verführung auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen.

Der männliche Part meines Paares von oben wandte sich übrigens zum Abschluss unseres Gespräches mit folgenden Worten an seine Frau: „Mir würde es echt nichts ausmachen, wenn Du mich direkt im Schritt berührst! Dann weiß ich wenigstens, woran ich bin! Wenn ich nicht will, sage ich Dir das schon.“ Worauf sie verwundert feststellt: „Und das würde Dir wirklich gefallen? Du meinst, ich kann mir die Unterwäsche sparen? Und Du merkst gar nicht, wenn ich will?“ Beiden war bis dahin gar nicht bewusst gewesen, wie unterschiedlich sie ihre nonverbale erotische Sprache nutzten und wieviel Missverständnisse es bereits gegeben hatte.

Ich bin gespannt, ob die beiden in Zukunft anders aufeinander zugehen und reagieren werden. Vielleicht können sie sich besser lesen und verstehen. Vielleicht können sie sich aber auch trotz guten Verständnisses füreinander nicht auf die jeweilige Sprache des anderen einlassen.

Denn möglicherweise möchten Frauen zur Lust verführt werden und Männer möglichst schnell Erregung spüren. Diesem Thema werde ich in meinem nächsten Beitrag nachgehen.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schnurr…tja, da gäbe es wirklich einiges dazu zu sagen.

    Freue mich daher auf den ersten „geschlechtsübergreifenden“ erotischen Salon 🙂

    • Christiane Jurgelucks

      Ja, das wäre wirklich eine spannende Diskussion zwischen Männern und Frauen. Vielleicht gehe ich den gemischtgeschlechtlichen Salon zum Ende des Jahres an.
      Herzliche Grüße
      Christiane Jurgelucks

  2. Der Vergleich mit dem Verhalten von Hunden und Katzen bei Annäherung ist sehr interessant und aufschlussreich. Auf Menschen bezogen beschreibt es das archetypische Werbungs- und Annäherungsverhalten von Männern und Frauen.
    Der Vergleich hat nur einen winzigen Haken. Wir wollen ja wissen, wie Frauen und Männern besser, konfliktfreier und erfolgreicher einander werben und verführen können. Das würde aber im Tiervergleich die Frage sein, wie Hunde und Katzen besser miteinander zurechtkommen können. Ja, ich weiß, es gibt in Kalendern ganz süße Bilder, auf denen eine Katze und ein Hund ganz zärtlich miteinander umgehen. Dennoch wissen wir, dass das eine Illusion ist. Hunde und Katzen haben keine gemeinsame Sprache.
    Deswegen müssen wir, Frauen und Männer, uns von dem im Tiervergleich gezeigten Verhalten lösen, uns davon wegentwickeln, das ist eine zivilisatorische Aufgabe.
    Natürlich ist auch mir bekannt, speziell aus meiner ersten Ehe, dass viele Frauen ihr eigenes Verlangen, so sie es denn spüren, kaum auszudrücken wissen und Angst haben, dass ihre zarten Signale, die der Mann kaum wahrnimmt, schon zu aufdringlich sein könnten. Das andere Problem ist, dass sie sich schnell nur selektiv als Sexobjekt wahrgenommen fühlen, wenn der Mann so direkt seinen Wunsch nach Sex ausdrückt, wie er es gerne von ihr hätte, beispielsweise der im Text erwähnte direkte Griff in den Schritt.
    Da kann ich es mir gerade nicht verkneifen, einen „Witz“ zu kolportieren, den ich kürzlich hörte und der das Problem karikiert: Zwei Frauen sitzen auf der Caféterrasse und reden über die vorbeiziehenden Männer, die mehr oder weniger nach ihnen schielen. Die eine beklagt sich, dass die Männer im Vorübergehen immer gleich ihre sichtbare Oberweite vermessen. Darauf die andere: „Also, ich find’s gut, wenn mir die Männern auf den Busen schauen. Dann fühle ich mich nicht so auf meine inneren Werte reduziert.“
    Ich muss ja sicher nicht erläutern, was hier karikiert werden soll. Der Juckepunkt ist, dass Frauen durchaus gerne durch Haltung und Kleidung mit ihren Reizen punkten wollen, sich dann aber beschweren, wenn das Erfolg hat. Ein anderer „Witz“ fragt: Was ist für eine Frau schlimmer als ein Sexualobjekt zu sein? Antwort: Kein Sexualobjekt (mehr) zu sein.
    Im Blogtext wird Frauen ja durchaus geraten, in der Anmache mutiger und direkter zu sein. „Er wird Ihnen schon sagen oder zeigen, wenn es es ihm nicht gefällt.“ Stimmt.
    Meines Erachtens ist es auch eine Frage des Alters und der Tiefe der Beziehung, wie direkt eine Werbung sein darf oder soll. Kennt man sich erst kurze Zeit, ist, speziell von Seiten des Mannes, vorsichtiges Heranfühlen angesagt, wie direkt es denn sein darf. Aber, ehrlich gesagt, wenn eine Frau nach der Silberhochzeit noch Probleme hat, ihrem Mann direkt durch Worte, Blicke oder Taten mitzuteilen, dass sie Lust auf ihn hat, dann darf man da ein behandlungswürdiges Selbstwertthema vermuten.
    Jetzt möchte ich noch auf dieses konkrete Beispiel aus dem Blog eingehen:
    „Ein Mann betritt die Küche, seine Partnerin kocht gerade die Tomatensoße für das gemeinsame Nudelgericht. Er betrachtet sie kurz, sieht ihre herrlichen Kurven und freut sich über sein Prachtweib. Er tritt hinter sie, verweilt mit seinen Händen kurz auf ihrem Po, um dann auf direktem Wege, ihre Brüste zu umfassen.“
    Genau dies findet in meiner Ehe jeden Tag mindestens einmal statt, wobei es natürlich Varianten gibt: Statt der Tomatensoße ist es schon mal eine Pfanne mit Bratkartoffeln, oder aber meine Frau stöbert gerade im CD-Regal. Das ist wahrscheinlicher, denn das Kochen ist eher mein Revier. Und was macht meine Frau, wenn ich sie so umfasse? Sie schnurrt. Wie eine Katze. Eben!
    Den Männern, die jetzt „Na also!“ gerufen haben, möchte ich noch mitteilen, dass ein derartiges Umfassen keineswegs immer bedeutet, dass ich sie sogleich ins Bett abschleppen möchte. Prinzipiell schon, aber es darf irgendwann sein. Wenn es dran ist. Mit der beschriebenen Geste drücke ich nur generell aus, dass ich sie begehre.

    • Christiane Jurgelucks

      Lieber Till,
      wie schon der letzte – wieder ein wunderbarer Text, dem ich nichts hinzufügen möchte.
      Herzliche Grüße
      Christiane Jurgelucks

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