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„Wir können einfach nicht miteinander kommunizieren!“ – Kommunikation – Das Topthema in Eheberatung und Paarberatung

Wenn ich darüber nachdenke, warum Paare eine Eheberatung oder Paarberatung wünschen, dann geht es – neben Affären und Sexualität – fast immer um das Thema Kommunikation.

Warum fällt es uns oft so schwer mit dem Mensschen, den wir am meisten lieben, und der uns eigentlich am wichtigsten ist, über das ins Gespräch zu kommen, was uns wirklich berührt? Darüber möchte ich heute schreiben.

Alina und David haben seit Monaten keinen Sex. Es stört sie beide. Alina hatte lange versucht, David zu verführen: Durch Worte, Berührungen und schließlich durch Diskutieren und Einfordern. In der Paarberatung haben nun die Vorwürfe der Resignation Platz gemacht. Alina weiß nicht mehr weiter.

David weist alles von sich: Ihre gemeinsamen Probleme würden sich schon geben – Er habe Geduld, außerdem gehe er ja auf Alina zu, sie würde es nur nicht merken.

Während er spricht, wendet Alina sich ab. Sie ist genervt – ich merke es ihr deutlich an – und kontert mit einem erneuten Vorwurf. Dieses Spiel oder besser gesagt, diese Art der Kommunikation würde sich jetzt endlos wiederholen, wenn ich nicht unterbrechen würde.

Ich frage David, wie es ihm damit geht, wenn Alina ihn gar nicht wahrnimmt, beim Versuch, ihr nahe zu kommen. „Dann wird es beim nächsten Mal sicher klappen.“ David versteckt sich hinter positivem Denken, gibt sich geduldig und zuversichtlich.
Ich lasse nicht locker. „Was ist, wenn es nicht klappt, so wie die vielen Male zuvor?“ David schweigt, schließlich sagt er: „Ich habe Sorge, dass zwischen uns etwas kaputt geht, was ganz einzigartig war. Dass Alina nicht durchhält.“ Es wird offensichtlich, dass David Angst hat, aber niemals darüber spricht. Lieber macht er sich taub, statt die Hilflosigkeit und Ohnmacht zu spüren, die sich in ihm breit gemacht hat.

Und Alina? Alina gibt sich kämpferisch. Sie hat langsam die Nase voll. Wann endlich wird sich etwas ändern? Sie greift an, macht Vorwürfe und diskutiert – das ist etwas, was sie gut kann. Ich frage sie, wie sie sich fühlt, wenn sie so deutlich realisiert, dass sich nichts ändert? Auch Alina wird still: „ich schiebe das ganz schnell weg, wenn ich mich damit beschäftige, dann habe ich große Angst, dass wir es nicht schaffen. Wir wollen doch heiraten!“

Das, was ich jetzt so knapp zusammengefasst habe, ist harte Arbeit für meine Klienten und manchmal auch für mich. Bei dieser Art der paartherapeutischen Arbeit geht es darum, einem Paar dabei zu helfen, das auszusprechen, worum es wirklich geht. In der Regel handelt es sich um schwierige und verletzliche Gefühle. Oft sind dies Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit und manchmal die pure Verzweiflung bishin zur Panik.
Weil wir diese Gefühle nicht gut aushalten können – in der Paartherapie nennen wir sie primäre Gefühle – versuchen wir ihrer Herr zu werden, indem wir sie nicht spüren. Wir haben sehr viel Routine, an Stelle der primären Gefühle kompetentere und kraftvollere Emotionen zu spüren: Fühlt sich Wut nicht viel kraftvoller an als Ohnmacht? Verschaffen Sie sich nicht auch lieber Luft durch einen gut gewählten Vorwurf, als zu sagen: „Ich habe Angst, dass ich Dir nicht mehr so wichtig bin.“? Und ist gespielte Gelassenheit nicht angenehmer als gefühlte Hilflosigkeit?

Es  ist sehr verständlich, warum wir unsere primären Gefühle gerne verstecken. Sie machen uns Angst, und wir fühlen uns oft klein. Fast alle haben mit der Angst vor Einsamkeit und Isolation zu tun. Verlassen werden, ein ganz frühes Thema für jeden von uns. Das Empfinden und Fühlen von sekundären Gefühlen wie Wut, Ärger, Ungeduld aber auch Ruhe und Taubheit sind der Versuch, bedrohliche Gefühle abzuwehren. Wir fühlen uns damit kompetenter; Gleichzeitig bleiben wir aber mit unseren Ängsten allein, und wir fühlen uns nicht gesehen – kein Wunder, wenn wir uns nicht trauen, das zu zeigen, was uns wirklich bedrängt.

Wenn David mutig gewesen wäre, hatte er vielleicht so etwas gesagt wie: „Ich fühle mich so hilflos, wenn Du sagst, was Du Dir sexuell wünscht. Ich habe gar keine Ahnung, was Du meinst. Ich schäme mich dafür und denke, dass ich Dir das Wasser nicht reichen kann. Irgentwann wirst Du merken, dass ich nicht so toll bin, und dann wirst Du vielleicht gehen. Das konnte ich Dir bislang nicht zeigen. Ich weiß nicht, ob ich Dir trauen kann, oder ob Du mich dann fallen lässt?“

Alina  hätte vielleicht gesagt: „Ich bin so verunsichert, weil Du mich immer zurückweist. Mache ich Dich nicht mehr an? Ich spüre das nicht mehr. Ich habe so eine Angst, dass Du mich als Frau nicht mehr begehrst. Ich weiß nicht, was ich noch probieren soll? Ich schäme mich so, dass ich es nicht hinkriege, Dich anzumachen! Magst Du mich nicht mehr? Wie soll das nur weiter gehen mit uns? Ich habe Angst, dass wir es nicht schaffen.“

Merken Sie den Unterschied? Wenn es um primäre Gefühle geht, dann werden wir berührt. Wir können fast nicht anders, als Mitgefühl zu zeigen, und den Mut zu respektieren. Paare, die so kommunizieren, haben keinen Schlagabtausch mehr. Sie brauchen auch keine Kommunikationsregeln oder „tools“, die das Reden miteinander effektiver machen.

Eigentlich ist es ganz einfach – und dennoch so schwer – wir müssen uns zeigen, vor allem in unserer Verletzlichkeit. Dann haben wir die Chance gesehen und verstanden zu werden, vorausgesetzt, unsere Liebesbeziehung hat noch Bestand und unser Partner ist uns wohlgesonnen.

Zum  Schluss möchte ich Ihnen doch noch ein „tool“ ans Herz legen. Führen Sie regelmäßig Zwiegespräche. Das ist eine Methode, die Michael Lukas Moeller entwickelt hat. In seinen Büchern gibt es eine gute Anleitung dazu.
Kurz zusammengefasst: Sie verabreden eine feste Redezeit mit Ihrem Partner einmal pro Woche für 90 Minuten. Diese Zeit wird in 6 Abschnitte unterteilt, so dass jeder Partner drei Mal eine Viertelstunde Zeit hat, seinem Zuhörer das zu erzählen, was ihn beschäftigt. Der Zuhörer oder die Zuhörerin hat nur die Aufgabe, aufmerksam zu hören, während der Erzähler das eigene Erleben exploriert. Er oder sie darf dabei nicht unterbrochen werden, es sei denn für Verständnisfragen. Nach einer Viertelstunde wird gewechselt. Dabei darf auf das Gehörte Bezug genommen werden, aber das ist kein Muss. Entscheidend ist der Wille, wirklich intim und ehrlich zu kommunizieren und sich dabei zu zeigen – sich selbst und dem anderen.

Paare, die regelmäßig Zwiegespräche führen, haben weniger chronische Konflikte, sind zufriedener und, sie haben eine signifikant lebendigere Erotik. Womit wir wieder beim Anfang dieses Beitrags wären.

Trauen  Sie sich!

2 Kommentare
  1. Schnupsipulami says:

    Liebe Frau Jurgelucks,

    lese immer wieder gerne in Ihrem Blog und wünsche Ihnen an dieser Stelle ruhige Weihnachtstage und ggfls. terminreiche Folgewochen :-).

    Ja die Zwiegespräche: gar nicht so einfach, dieses „Tool“. Gute Zwiegespräche setzen für mich ein ziemliches Maß an Differenziertheit der Gesprächspartner im Sinne Schnarchs voraus, ansonsten drohen die Nebenwirkungen „Banalität“ oder „Verletzheit“. Leider. In diesem Fall dann doch lieber gleich ins Bett 🙂

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    • Christiane Jurgelucks says:

      Wie schön, mal wieder von Ihnen zu hören. Die Weihnachtsgrüße und Wünsche auch an Sie. Ich freue mich in der Tat auf ruhige und unverplante Tage.
      Was die Kritik an den Zwiegesprächen anbelangt, gebe ich Ihnen recht. Es setzt Differenziertheit voraus, aber ich bin guten Mutes, da doch einige Paare richtig gut in der Umsetzung sind.
      Herzliche Grüße
      Christiane Jurgelucks

      Antworten

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